Audio-Odyssee: Warum Devialet nicht auf die Terrasse gehört (und wie System Nr. 4 einzog)
Manchmal siegt die Vernunft über den ersten Impuls, selbst wenn der Impuls verdammt gut aussieht.
Ich muss gestehen: Als ich die Devialet Phantom Ultimate das erste Mal sah, war es um mich geschehen. Dieses Design, diese futuristische Ästhetik, diese schiere Kraft ein absolutes Meisterwerk französischer Ingenieurskunst. Kurzerhand reifte der Plan, zwei dieser Prachtstücke auf unsere halb offene Terrasse mit der Outdoor-Küche zu stellen. Was soll man sagen? Knappe 6.500 Euro später standen sie da.
Und sahen fantastisch aus. Keine Frage.
Aber wenn man ehrlich zu sich selbst ist, muss man irgendwann einsehen: Das war das Lehrbuchbeispiel für „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“.
Eine halb offene Terrasse ist klanglich ein biologischer Freiraum mit wechselnden Witterungsbedingungen, Windgeräuschen und Grillfeuer. Solch hochpräzise Highend-Komponenten dort aufzustellen, ist fast schon ein Frevel an der Akustik. Also folgte die Einsicht und die prompte Rückbau-Aktion: Draußen verrichten ab sofort wieder unsere beiden wetterfesten Sonos Move ihren Dienst. Die sind robust, klanglich für den Außenbereich absolut hervorragend und verzeihen auch mal einen Spritzer Fett oder feuchte Abendluft.
Doch wohin jetzt mit den beiden Devialet-Schwergewichten? Zum Herumstehen sind sie viel zu schade.
Das „Hafen-Zimmer“: Ein neuer Platz für die Meisterstücke
Die Lösung lag eigentlich auf der Hand. Wir haben im Haus diesen einen Raum, in dem Familie und Freunde zusammenkommen. Keinen Fernseher, kein Ablenkungstheater, einfach ein gemütlicher Ort für gute Gespräche, einen guten Schluck und hervorragende Musik. Bisher fehlte dafür noch der perfekte Name. Welcher Begriff würde hier passen?
- Salon? Klingt ein wenig zu steif und nach 19. Jahrhundert.
- Lounge? Ein bisschen sehr nach Hotelbar.
- Die Kamin-Lounge / Das Gesellschaftszimmer? Schon besser.
- Der Refugium-Room oder schlicht das „Hafen-Zimmer“? Ein Ort zum Ankommen und Herunterfahren.
Nennen wir es erst einmal unseren Salon für Gastfreundschaft. Und genau hier wandern die beiden Devialet Phantom jetzt hinein. Wir hatten dort zwar bisher auch Sonos stehen, aber ganz ehrlich: Man muss auch mal was Neues wagen! Die akustische Dynamik, die diese beiden Kraftpakete in einem geschlossenen, gut bedämpften Raum entfalten, ist eine völlig andere Welt. Hier können sie endlich das tun, wofür sie gebaut wurden.
Vier Audiosysteme unter einem Dach: Das kontrollierte Chaos
Damit haben wir im Haus nun offiziell den Zustand erreicht, den man wohlwollend als „akustische Vielfalt“ und realistisch als Tech-Prozess-Guerilla bezeichnen kann. Zählt man alles zusammen, verrichten mittlerweile vier verschiedene Audiosysteme ihren Dienst bei uns:
Das Sonos-Grundgerüst: Das gesamte Haus ist flächendeckend mit Sonos ausgestattet. Für den Alltag, Multiroom-Streams und die unkomplizierte Hintergrundbeschallung schlicht unschlagbar.
Das Tochter-Areal: In der Wohnung meiner Tochter verrichtet ein eigenständiges Bose-Soundsystem seinen Dienst, sie schwört auf ihren eigenen Sound-Charakter.
Das private Heimkino: Unser primäres Wohnzimmer ist ausschließlich der Familie vorbehalten. Hier steht eine High-End-Anlage von Bowers & Wilkins (B&W) für echtes Kino-Feeling.
Das Devialet-Setup: Der neue Stern im Gästesalon. Ergänzt werden die Phantom Ultimate um 2 Tree Ständer, einen Arch für den Clearaudio Concept Signature Plattenspieler und einem T+A MP 200 Multi Source Player. 😉 Musikgenuss pur auf 50 m².
Fazit: Das Richtige am richtigen Ort
War der Ausflug der Devialet-Lautsprecher auf die Terrasse ein Fehlgriff? Finanziell und funktional für den Außenbereich auf jeden Fall. Aber am Ende hat die Odyssee dazu geführt, dass unser Gesellschaftszimmer nun eine klangliche Aufwertung erfahren hat, die ihresgleichen sucht.
Manchmal muss man Geräte eben erst an den falschen Ort stellen, um herauszufinden, wo sie ihre wahre Magie entfalten. Die Terrassensaison ist jedenfalls gerettet und die Abende im Salon werden akustisch ab sofort auf einem völlig neuen Niveau ausklingen.