Balus Cave

Drei Apps, drei Überraschungen und eine neue erste Seite auf meinem iPhone

Bear statt Evernote. Diarly statt Day One. KlingKlang statt Sonify. Manchmal braucht es keine neuen Geräte, um wieder richtig Freude an seinem iPhone zu haben. Drei neue Lieblings-Apps reichen völlig.

Es gibt Wochen, in denen passiert technisch gesehen überhaupt nichts Aufregendes. Ein paar Updates, vielleicht eine neue App, ansonsten läuft alles wie gewohnt.

Und dann gibt es Wochen wie diese.

Gleich drei Anwendungen haben sich innerhalb weniger Tage einen Platz auf der ersten Seite meines iPhones erkämpft. Und das Bemerkenswerte daran: Sie haben dort keine irgendwelchen Gelegenheits-Apps verdrängt, sondern drei Programme, die ich teilweise seit vielen Jahren nutze und ausgesprochen schätze.

Evernote, Day One und Sonify mussten nach hinten rücken.

Ihre Nachfolger heißen Bear, Diarly und KlingKlang.

Das ist für jemanden wie mich, der schöne Software liebt, durchaus bemerkenswert. Denn ich wechsle nicht einfach nur, weil etwas neu ist. Eine App muss mich überzeugen. Sie muss gut aussehen, sich angenehm bedienen lassen und idealerweise etwas besser machen als die bisherige Lösung.

Und alle drei haben genau das geschafft.

1. Bear - warum Evernote nach 16 Jahren seinen Platz räumen musste

Fangen wir mit der größten Überraschung an.

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Evernote begleitet mich seit 2010. Sechzehn Jahre. In dieser Zeit sind über 4.400 Notizen zusammengekommen. Texte, Dokumente, gesammelte Informationen, Webartikel und alles Mögliche, was man eben über die Jahre aufbewahrt.

Evernote war mein digitales Gedächtnis.

Und eigentlich hatte ich überhaupt nicht vor, mich davon zu verabschieden.

Bear hatte ich schon mehrfach ausprobiert. Die App gefiel mir optisch immer ausgezeichnet, aber irgendetwas fehlte. Ich war an meine Notizbücher gewöhnt und konnte mich mit dem Konzept der Tags nicht so recht anfreunden.

Bis es plötzlich Klick machte.

Der Web Clipper war der Anfang

Eine der ersten Überraschungen erlebte ich beim Speichern einer Webseite.

Während Evernote auf meinem iPhone nur den Link zur Webseite ablegte, übernahm Bear den vollständigen Inhalt. Genau so, wie ich mir das von einem vernünftigen Web Clipper vorstelle.

Eine Kleinigkeit? Vielleicht.

Aber solche Kleinigkeiten entscheiden darüber, ob eine App im Alltag Freude macht oder nervt.

Tags statt Notizbücher und plötzlich ergibt alles Sinn

Der eigentliche Durchbruch kam allerdings beim Aufräumen.

Ich begann, meine Evernote-Notizen nach Bear zu übertragen. Erst einzelne Notizbücher, dann immer mehr. Dabei stellte ich fest, wie angenehm es ist, nicht mehr ständig überlegen zu müssen, in welches Notizbuch eine Information gehört.

Bear organisiert alles über Tags. Und diese lassen sich verschachteln.

Aus #Apple werden beispielsweise #Apple/iPhone, #Apple/Mac oder #Apple/HomeKit.

Eine Notiz kann mehreren Themen zugeordnet werden, ohne dass ich sie duplizieren muss.

Ich saß irgendwann am MacBook und sortierte meine Notizen einfach nach Lust und Laune. Eine nach der anderen. Ohne starre Ordnerstruktur.

Und auf einmal fragte ich mich, warum ich mich so lange dagegen gesträubt hatte.

Rückblickend muss ich darüber schmunzeln: In Evernote habe ich tatsächlich immer wieder Notizen kopiert, weil sie thematisch in mehrere Notizbücher gehörten. Mit Bear ist dieser Unsinn vorbei. Ich vergebe einfach mehrere Tags und finde dieselbe Notiz an unterschiedlichen Stellen wieder. So simpel kann eine gute Lösung sein.

Meine neue Lieblingsfunktion: To-dos

Noch eine Kleinigkeit hat mich begeistert.

Bear bietet eine eigene Übersicht für unerledigte Aufgaben. Ich muss wichtige Notizen mit Checklisten nicht mehr oben anpinnen, damit ich sie nicht vergesse.

Ein Klick auf den entsprechenden Bereich und ich sehe, was noch offen ist.

So simpel. So praktisch.

Und genau das ist es, was ich an guter Software liebe.

Evernote ist über die Jahre immer umfangreicher geworden. Immer neue Funktionen, immer mehr Möglichkeiten und inzwischen natürlich auch KI. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass die Anwendung mehr sein wollte, als ich eigentlich benötige.

Bear erinnert mich dagegen an das Evernote von früher.

Eine Anwendung, in der ich Informationen sammle, wiederfinde und bearbeite. Ohne unnötigen Ballast.

Der Umzug von Tausenden Notizen war übrigens nicht ganz reibungslos. Manche Importe mussten wiederholt werden, einige Tags gerieten durcheinander und zeitweise vermisste ich sogar meine Whisky-Liste.

Aber auch die tauchte wieder auf.

Mein Fazit: Nach sechzehn Jahren ist Evernote erstmals ernsthaft auf dem Weg in den Ruhestand. Nicht weil es eine schlechte Anwendung wäre, sondern weil Bear inzwischen viel besser zu meiner Art passt, mit Informationen umzugehen.

Und ganz nebenbei sieht es auch noch wunderschön aus.

2. Diarly - Day One bekommt ernsthafte Konkurrenz

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Der zweite Wechsel ist fast genauso überraschend.

Day One gehört seit Jahren zu den bekanntesten und besten Tagebuch-Apps im Apple-Universum. Und ich habe die Anwendung wirklich gerne verwendet.

Ein digitales Tagebuch soll für mich allerdings mehr sein als ein Texteditor mit Datum.

Ich möchte später nachvollziehen können, wo ich gewesen bin, wie das Wetter war und was mich an einem bestimmten Tag beschäftigt hat.

Genau deshalb bin ich auf Diarly aufmerksam geworden.

Ein Tagebuch, das mitdenkt

Was mir an Diarly gefällt, ist die Verbindung aus einem angenehm aufgeräumten Editor und den kleinen Informationen, die einen Tagebucheintrag lebendiger machen.

Ort und Wetter können automatisch ergänzt werden. Gerade solche Angaben finde ich reizvoll.

Denn wenn ich in einigen Jahren einen Eintrag wieder lese, möchte ich nicht nur wissen, was ich geschrieben habe. Ich möchte mich möglichst gut an diesen Tag erinnern können.

Bei meinen ersten Versuchen gab es allerdings noch ein paar Fragezeichen.

Auf dem Mac erschienen Wetter und Standort zunächst nicht so, wie ich es erwartet hatte. Nach einer kleinen Anpassung funktionierte es dann tatsächlich: Schon beim Erstellen eines neuen Eintrags waren die Informationen vorhanden.

Das sind diese kleinen Erfolgserlebnisse, die mich dazu bringen, mich intensiver mit einer Anwendung zu beschäftigen.

Es sind die Details

Natürlich habe ich auch bei Diarly sofort angefangen, an der Darstellung herumzuspielen.

Wie werden Überschriften formatiert? Wie lassen sich Einträge strukturieren? Wie funktioniert die zeitliche Unterteilung innerhalb eines Tages?

Ich mag es, wenn ein Tagebuch nicht nur eine Ansammlung von Textblöcken ist, sondern auch typografisch etwas hermacht.

Eine Sache würde ich mir allerdings noch wünschen: eine genauere Ortsangabe.

Diarly erkennt bei mir zwar die Straße, aber nicht automatisch die Hausnummer. Auch den Ortsnamen hätte ich gerne möglichst vollständig im Eintrag.

Deshalb möchte ich dem Entwickler dazu Feedback geben.

Das ist übrigens etwas, was ich an kleineren Softwareprojekten besonders schätze: Man hat häufig das Gefühl, dass Rückmeldungen tatsächlich bei den Menschen ankommen, die das Programm entwickeln.

Und was ist mit Day One?

Day One ist dadurch keineswegs schlecht geworden.

Aber Diarly hat es geschafft, meine Neugier zu wecken und mich mit seinem Schreibgefühl und seiner Präsentation so weit zu überzeugen, dass ich es inzwischen lieber öffne.

Noch ist dieser Wechsel frischer als der zu Bear. Ob Diarly langfristig wirklich alle meine Wünsche erfüllt, wird sich zeigen.

Mein Fazit: Diarly macht mir Lust, Tagebuch zu schreiben. Und das ist für eine Tagebuch-App vermutlich das größte Kompliment überhaupt.

3. KlingKlang - wenn die Lautstärketasten endlich das Richtige tun

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Der dritte Kandidat ist eine kleine Anwendung, die mich besonders begeistert hat.

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich ein ziemlicher Sonos-Fan bin. In unserem Haus stehen über 60 Lautsprecher, verteilt auf 3 Stockwerke.

Und wer mehrere Sonos-Lautsprecher besitzt, kennt das Problem: Man möchte schnell die Musik leiser stellen, muss dafür aber erst die richtige App öffnen oder den passenden Lautsprecher auswählen.

Ich habe deshalb schon einige alternative Sonos-Controller ausprobiert.

Sonement, Lyd, Sonify und andere.

Jede dieser Anwendungen hat ihre Stärken.

Bei Sonify war es für mich vor allem die Möglichkeit, die Lautstärke über die Hardwaretasten zu steuern.

Eine Funktion, die ich nicht mehr missen möchte.

Dann entdeckte ich KlingKlang.

Der entscheidende Unterschied

KlingKlang macht etwas, das sich eigentlich selbstverständlich anhört.

Wenn ich die Lautstärketasten verwende, ändere ich die Lautstärke des gewünschten Sonos-Raums und nicht gleich die Lautstärke der gesamten Lautsprechergruppe.

Das ist großartig.

Ich höre beispielsweise im Wohnzimmer Musik, während in der Küche ebenfalls ein Lautsprecher läuft. Jetzt möchte ich es im Wohnzimmer etwas leiser haben.

Ein Druck auf die Lautstärketaste genügt.

Kein umständliches Navigieren. Kein Herumspielen mit verschiedenen Lautstärkereglern. Und vor allem wird nicht gleich überall die Musik leiser.

Genau so stelle ich mir eine durchdachte Bedienung vor.

Auch die feine Lautstärkeregelung in kleinen Schritten gefällt mir. Gerade bei Hintergrundmusik möchte ich nicht zwischen zu laut und zu leise hin- und herspringen.

Klein, hübsch und erstaunlich praktisch

KlingKlang ist keine Anwendung, die versucht, die komplette Sonos-App zu ersetzen.

Und das muss sie auch nicht.

Sie konzentriert sich auf eine Aufgabe und erledigt diese ausgesprochen angenehm.

Das passt hervorragend zu meiner Vorstellung von guter Software.

Ich brauche nicht in jeder Anwendung zwanzig Untermenüs und hundert Funktionen. Manchmal reicht eine einzige Funktion, wenn sie wirklich gut umgesetzt ist.

Besonders sympathisch finde ich außerdem den Kontakt zum Entwickler Markus, den ich über Reddit kennengelernt habe.

Ich konnte ihm bereits Rückmeldungen geben und habe mich auch in der Community positiv über KlingKlang geäußert.

Es macht einfach Spaß, solche kleinen Projekte zu entdecken und zu unterstützen.

Mein Fazit: Sonify hat seinen bisherigen Stammplatz verloren. KlingKlang macht die tägliche Lautstärkeregelung der Sonos-Lautsprecher für mich noch angenehmer.

Und genau darauf kommt es an.

Was alle drei Apps gemeinsam haben

Auf den ersten Blick könnten Bear, Diarly und KlingKlang unterschiedlicher kaum sein.

Die eine verwaltet meine Notizen. Die zweite mein Tagebuch. Die dritte meine Musik.

Und doch gibt es einen gemeinsamen Nenner.

Alle drei haben mich nicht durch möglichst viele Funktionen überzeugt, sondern durch die Art, wie sie ihre Aufgaben erledigen.

Bear gibt mir das Gefühl zurück, die Kontrolle über meine Informationen zu haben.

Diarly macht das Festhalten persönlicher Erinnerungen zu einem angenehmen Erlebnis.

KlingKlang nimmt mir einen kleinen, aber regelmäßig wiederkehrenden Handgriff ab.

Dazu kommt etwas, das mir schon immer wichtig war: das Design.

Ich habe eine Schwäche für schöne Dinge. Für schöne Hardware, für gelungene Formen und eben auch für schöne Software.

Eine App darf für mich ruhig etwas kosten, wenn ich dafür eine durchdachte, liebevoll gestaltete Anwendung bekomme.

Was mich dagegen zunehmend langweilt, sind überladene Programme, die mit immer neuen Funktionen werben, während die alltägliche Bedienung auf der Strecke bleibt.

Ich möchte Software benutzen, die sich gut anfühlt.

Nicht Software, die mich ständig daran erinnert, wie viele Möglichkeiten sie theoretisch bietet.

Die erste Seite meines iPhones ist kein Museum

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieser Woche.

Nur weil ich eine Anwendung seit zehn oder fünfzehn Jahren benutze, bedeutet das nicht, dass sie automatisch die beste Lösung für mich bleibt.

Und nur weil ich einmal viel Geld für eine App ausgegeben habe, muss ich ihr nicht für immer treu bleiben.

Das bedeutet umgekehrt nicht, dass ich die bisherigen Anwendungen schlecht finde. Evernote hat mich sechzehn Jahre begleitet. Day One war lange mein digitales Tagebuch. Und Sonify hat mir gezeigt, wie praktisch eine vernünftige Sonos-Steuerung sein kann.

Sie alle haben ihren Platz verdient.

Aber eben nicht zwangsläufig auf der ersten Seite meines iPhones.

Dort liegen jetzt Bear, Diarly und KlingKlang.

Drei Anwendungen, die mich innerhalb weniger Tage daran erinnert haben, warum ich mich überhaupt so gerne mit Apps beschäftige.

Nicht weil ich ständig etwas Neues brauche.

Sondern weil es immer wieder Entwickler gibt, die zeigen, dass man selbst vertraute Dinge noch ein bisschen schöner, einfacher und intelligenter machen kann.

Und manchmal reichen dafür drei kleine App-Icons, um eine ganze Woche spannend zu machen.


Wie sieht es bei euch aus? Gibt es eine App, die ihr jahrelang verwendet habt und die dann überraschend von einem Neuzugang verdrängt wurde? Mich würde interessieren, welche das war und warum ihr gewechselt habt.