Multiroom: Sonos, Bluesound oder ganz was anderes?
Vor ein paar Jahren hatte ich einen ziemlich simplen Gedanken: Ich will weg von der Verkabelung.
Keine Lautsprecherkabel mehr quer durchs Wohnzimmer, keine komplizierte Anlage, keine Diskussion darüber, welcher Verstärker nun mit welchen Boxen harmoniert. Musik sollte einfach da sein, wo ich sie hören möchte.
Also: Multiroom.
Wie man das so macht, habe ich erst einmal im Freundeskreis herumgefragt. Was kauft man da? Sonos? Bluesound? Oder etwas ganz anderes?
Die Antworten waren erstaunlich eindeutig.
Sonos? Bloß nicht.
Klanglich angeblich schlecht. Viel zu teuer für das, was herauskommt. Kein echtes HiFi. Außerdem diese App! Da habe es doch schon Probleme gegeben. Ältere Lautsprecher seien irgendwann nicht mehr richtig unterstützt worden und überhaupt sei man bei einem solchen System viel zu sehr vom Hersteller abhängig.
Das klang alles einigermaßen dramatisch.
Nur eine Frage konnte mir keiner so richtig beantworten:
Was genau klingt denn an Sonos so schlecht?
Dann stand da plötzlich ein Era 100
Irgendwann habe ich die ganzen guten Ratschläge ignoriert und mir einfach einen Sonos Era 100 gekauft.
Und dann passierte etwas ausgesprochen Unpraktisches für die Sonos-Kritiker:
Das Ding klang gut.
Nicht „für so einen kleinen WLAN-Lautsprecher ganz ordentlich“. Sondern für meine Ohren einfach gut.
Meine Tochter singt und hat eine CD aufgenommen. Natürlich kenne ich ihre Stimme. Ich weiß, wie sie klingt. Und als ich ihre Aufnahmen über den Era 100 hörte, saß ich da und dachte:
Wo genau soll jetzt eigentlich das Problem sein?
Die Stimme war klar, die Musik machte Spaß und aus diesem vergleichsweise kleinen Lautsprecher kam erstaunlich viel heraus.
Damit war es dann leider passiert.
Ein Sonos bleibt selten allein
Wer Multiroom einmal verstanden hat, kennt vermutlich das Problem.
Erst steht da ein Era 100.
Dann denkt man sich: Ein zweiter wäre eigentlich praktisch.
Und wenn man schon dabei ist, könnte man im anderen Raum …
Nun ja.
Inzwischen wohnen bei uns unter anderem Era 100, Era 300, Five, Move 2, Roam 2 und mit Arc Ultra und Sub 4 auch die etwas größeren Familienmitglieder. Ich habe Sonos also nicht anhand eines Testberichts kennengelernt, sondern über Jahre im Alltag.
Und genau da liegt für mich die eigentliche Stärke des Systems.
Es geht irgendwann nicht mehr um den einzelnen Lautsprecher.
Es geht darum, dass alles zusammen ein System bildet.
Ich kann Musik dort hören, wo ich gerade bin. Ich kann Räume zusammenfassen oder getrennt spielen lassen. Ein Move kommt mit, wenn ich ihn woanders brauche. Ein Roam ist noch unkomplizierter. Die Era-Lautsprecher übernehmen ihre festen Aufgaben. Und beim Fernsehen spielen Arc Ultra, Sub und die entsprechenden Surround-Lautsprecher in einer völlig anderen Liga als der kleine Era 100, mit dem alles angefangen hat.
Genau das wollte ich damals.
Keine Anlage, um die ich mich kümmern muss.
Sondern Musik.
Aber Bluesound klingt doch besser!
Vielleicht.
Und das meine ich überhaupt nicht ironisch.
Bluesound hat einen hervorragenden Ruf, unterstützt hochauflösendes Audio und spricht Menschen an, die an Musikwiedergabe teilweise andere Ansprüche stellen als ich. Es gibt auch andere interessante Multiroom-Lösungen.
Nur habe ich irgendwann aufgehört, Lautsprecher nach Datenblättern zu beurteilen.
Ich höre schließlich keine Datenblätter.
Ich höre Musik.
Wenn mir jemand erklären möchte, dass Lautsprecher A technisch überlegen ist, während ich vor Lautsprecher B sitze und Musik darüber verdammt gerne höre, dann ist für mich die Entscheidung eigentlich gefallen.
HiFi kann eine Wissenschaft sein.
Musikhören muss es nicht sein.
Und ja, Sonos hat Mist gebaut
Zur Wahrheit gehört natürlich auch: Sonos hat sich nicht immer mit Ruhm bekleckert.
Die Umstellung rund um ältere Geräte und die verschiedenen App-Generationen war nicht gerade ein Musterbeispiel dafür, wie man langjährige Kunden glücklich macht. Und auch die große Überarbeitung der Sonos-App 2024 war zeitweise ein ziemliches Desaster.
Das darf man kritisieren.
Man sollte daraus nur nicht automatisch ableiten, dass deshalb sämtliche Sonos-Lautsprecher schlecht sind.
Bei vernetzter Technik gibt es außerdem grundsätzlich ein Problem, das man früher mit einem passiven Lautsprecher nicht hatte: Irgendwann verändert sich die Softwarewelt um das Gerät herum. Das betrifft Sonos, aber letztlich auch jeden anderen Hersteller, der Lautsprecher, Streamingdienste, Apps und Netzwerkfunktionen miteinander verbindet.
Wer Multiroom möchte, kauft deshalb nicht nur Lautsprecher.
Man entscheidet sich für ein Ökosystem.
Das sollte einem bewusst sein.
Würde ich heute noch einmal mit Sonos anfangen?
Nach allem, was ich inzwischen erlebt habe?
Ja.
Nicht weil Sonos perfekt wäre.
Nicht weil Bluesound schlechter wäre.
Und schon gar nicht, weil ich glaube, dass Sonos das einzig wahre HiFi-System auf diesem Planeten gebaut hätte.
Sondern weil Sonos ziemlich genau das geschafft hat, was ich vor ein paar Jahren gesucht habe:
Musik unkompliziert in unser Haus zu bringen.
Ich muss nicht darüber nachdenken, welcher Verstärker zu welcher Box gehört. Ich ziehe keine Lautsprecherkabel durch die Zimmer. Ich muss nicht jedes Mal meine Anlage umbauen, wenn ich an einem anderen Ort Musik hören möchte.
Ich tippe auf einen Raum.
Und Musik läuft.
Vielleicht ist das für einen eingefleischten Audiophilen zu wenig.
Für mich ist es ziemlich genau der Sinn eines Multiroom-Systems.
Und dass aus meinem ersten kleinen Era 100 inzwischen eine ziemlich große Sonos-Familie geworden ist, dürfte die Frage beantworten, wie unzufrieden ich mit dem Klang bin.
Der kleine Era 100 war jedenfalls ein verdammt teurer Kauf.
Nicht wegen seines Preises.
Sondern wegen allem, was danach kam. 😏