Soot - eine App, die ich mag, aber nicht brauche
Über die Freude an guter Software und die Kunst, sie trotzdem nicht zu benutzen.
Ich habe ein kleines Problem. Ich mag schöne Software.
Besonders dann, wenn sie nicht aus irgendeiner riesigen Softwareschmiede stammt, sondern von einem einzelnen Entwickler, der offenbar ziemlich genau weiß, wie sich eine gute Anwendung anfühlen sollte.
Und so bin ich vor einigen Tagen über Soot gestolpert.
Eine neue Notiz-App. Ausgerechnet.
Als hätte die Welt nicht schon genügend davon. Und als hätte ich nicht gerade erst meine eigene kleine Notizwelt gründlich aufgeräumt.
Aber Soot sah interessant aus. Also installiert, ausprobiert und ziemlich schnell festgestellt: Das Ding ist richtig gut.
Ein Entwickler aus Edinburgh
Hinter Soot steckt Rob Schmitt, ein Softwareentwickler aus Schottland, der seit rund 30 Jahren in diesem Beruf arbeitet.
Seine Idee ist eigentlich ganz einfach: Er wollte eine Anwendung, die so unkompliziert wie Apple Notizen ist, ihre Daten aber in normalen Markdown-Dateien speichert. Ohne die zahllosen Einstellungsmöglichkeiten und Erweiterungen, in denen man sich bei Obsidian verlieren kann.
Als Vorbild nennt er ausgerechnet Bear, dessen Abonnent er selbst jahrelang war.
Das gefällt mir. Da entwickelt jemand eine Alternative und hat trotzdem kein Problem damit, die Qualitäten der Konkurrenz anzuerkennen.
Soot ist nativ in Swift geschrieben, bietet Ordner, Tags, verschiedene Designs und eine optional Ende-zu-Ende-verschlüsselte Synchronisation.
Letztere habe ich natürlich gleich ausprobiert.
Und was soll ich sagen? Sie funktioniert hervorragend. Auch mit Bildern. Alles erscheint zuverlässig auf meinen Geräten, ohne dass ich mich groß darum kümmern muss.
Dazu kommt eine schöne, aufgeräumte Oberfläche.
Eigentlich müsste ich begeistert sein.
Bin ich auch.
Nur habe ich ein Problem.
Ich brauche Soot nicht
Nach einigen Tagen des Ausprobierens habe ich mich gefragt, welche Aufgabe Soot in meinem Alltag übernehmen könnte.
Vielleicht als Ersatz für iA Writer?
Schließlich schreibe ich dort meine längeren Texte und Blogartikel. Aber warum sollte ich wechseln? Ich kenne iA Writer, beherrsche meine Markdown-Tastaturkürzel und fühle mich beim Schreiben ausgesprochen wohl.
Vielleicht als Ersatz für Bear?
Ganz sicher nicht.
Bear hat bei mir gerade erst Evernote abgelöst. Nach Jahren mit Notizbüchern, Ordnern und unzähligen gesammelten Informationen habe ich entdeckt, wie angenehm eine konsequente Organisation über Tags sein kann.
Ich kann eine Notiz mehreren Themen zuordnen, ohne sie zu kopieren oder mich entscheiden zu müssen, in welchen Ordner sie gehört.
Und ausgerechnet die Ordnerstruktur ist einer der Gründe, weshalb Rob Schmitt Soot entwickelt hat.
Was für ihn ein entscheidender Vorteil ist, wäre für mich eher ein Schritt zurück.
Bleibt also die Frage: Was soll ich mit Soot anfangen?
Die Antwort ist verblüffend einfach.
Nichts.
Nicht jede gute App braucht eine Aufgabe
Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis dieser kleinen Entdeckung.
Ich probiere gerne Software aus. Besonders Anwendungen unabhängiger Entwickler. Ich freue mich über durchdachte Oberflächen, liebevolle Details und Funktionen, die einfach funktionieren.
Manchmal komme ich sogar mit den Entwicklern ins Gespräch. Das macht für mich einen Teil des Reizes aus.
Früher hätte ich wahrscheinlich versucht, für Soot unbedingt einen Platz in meinem Alltag zu finden. Hätte Notizen verschoben, neue Strukturen angelegt und irgendwann festgestellt, dass ich dieselben Informationen an zwei verschiedenen Orten verwalte.
Heute sehe ich das etwas entspannter.
Ich kann eine Anwendung hervorragend finden, ohne sie dauerhaft verwenden zu müssen.
Soot ist eine schöne Notiz-App. Sie funktioniert, sie wirkt durchdacht und ich werde ihre Entwicklung sicher mit Interesse verfolgen.
Aber meine Notizen bleiben in Bear. Meine Texte entstehen weiterhin in iA Writer.
Nicht weil Soot schlechter wäre.
Sondern weil ich mit meinen vorhandenen Werkzeugen glücklich bin.
Und vielleicht ist genau das die größte Herausforderung für jemanden, der gerne neue Software entdeckt:
Zu erkennen, wann man eigentlich schon alles hat, was man braucht.