Unverzichtbare iOS-Apps #10: ChatGPT - mein zweites Gehirn
Jetzt wird es ein bisschen schwierig.
Denn ich soll einen Artikel darüber schreiben, warum ChatGPT für mich unverzichtbar geworden ist.
Und natürlich hilft mir ChatGPT dabei, diesen Artikel zu schreiben.
Willkommen im Jahr 2026.
Man könnte jetzt darüber diskutieren, ob das konsequent, bequem oder bereits der Anfang vom Ende der menschlichen Zivilisation ist.
Ich entscheide mich für:
praktisch.
Denn ChatGPT ist für mich längst keine Suchmaschine mit Texteingabefeld mehr.
Es ist mein Sparringspartner.
Mein Ideengeber.
Mein Erklärer.
Und manchmal tatsächlich so etwas wie mein zweites Gehirn.
Ich brauche nicht immer eine Antwort
Das klingt bei einer KI zunächst etwas merkwürdig.
Aber häufig weiß ich bereits ungefähr, was ich denke.
Ich bekomme es nur noch nicht richtig zu fassen.
Da ist eine Idee für einen Blogartikel.
Eine Meinung zu einem Thema.
Ein Gedanke, bei dem ich merke, dass irgendetwas noch nicht stimmt.
Dann brauche ich niemanden, der mir einfach sagt:
„Du hast recht.“
Ganz im Gegenteil.
Ich möchte einen Sparringspartner.
Warum siehst du das so?
Gibt es eine andere Perspektive?
Wo ist der Denkfehler?
Wie könnte man das formulieren, ohne daraus Schwarz oder Weiß zu machen?
Und genau dafür benutze ich ChatGPT sehr gern.
Aus Gedanken werden Texte
Dieser Blog ist dafür wahrscheinlich das beste Beispiel.
Ich habe eine Idee.
Manchmal ist sie ziemlich konkret.
Manchmal besteht sie ungefähr aus sieben Sätzen, drei Halbsätzen und einem:
„Du weißt schon, was ich meine.“
Erstaunlicherweise weiß ChatGPT inzwischen ziemlich häufig, was ich meine.
Dann beginnt die eigentliche Arbeit.
Gedanken sortieren.
Struktur hineinbringen.
Eine Formulierung verwerfen.
Eine andere ausprobieren.
Zu glatt.
Zu freundlich.
Zu hart.
Noch einmal.
Bis irgendwann ein Text entsteht, bei dem ich sage:
Ja. Das bin ich.
Das ist für mich der entscheidende Punkt.
Ich möchte keine Maschine, die für mich denkt.
Ich möchte ein Werkzeug, das mir hilft, meine Gedanken besser auszudrücken.
Mein ausgelagertes Gehirn
Und dann gibt es die Tage, an denen ich tatsächlich froh bin, einen Teil meines Gehirns auslagern zu können.
Welches Formular wollte jetzt noch einmal welche Angabe?
Was bedeutet dieser Absatz im Schreiben einer Behörde?
Wie war das mit der FRITZ!Box?
Welche Sonos-Lautsprecher hatten wir miteinander verglichen?
Was muss ich zum nächsten Termin mitnehmen?
Und warum zum Teufel macht mein iPhone gerade wieder genau das?
Mein Alltag besteht aus erstaunlich vielen kleinen Informationsbrocken.
Jeder einzelne davon ist überschaubar.
Zusammen werden sie irgendwann lästig.
Wenn ChatGPT mir dabei hilft, dieses Durcheinander zu sortieren, bleibt in meinem Kopf mehr Platz für interessantere Dinge.
Das meine ich mit „zweites Gehirn“.
Nicht als Ersatz für das erste.
Eher als zusätzliche Festplatte mit Gesprächsfunktion.
Erklär mir das bitte auf Deutsch
Eine meiner liebsten Anwendungen ist inzwischen wahrscheinlich:
Übersetze italienische Behördensprache in normales Deutsch.
Ich kann einen Bescheid selbst lesen.
Natürlich.
Aber zwischen „lesen“ und „sofort verstehen, was ich jetzt konkret tun soll“ liegen bei manchen Schreiben von Behörden erstaunliche Entfernungen.
Also:
Was wollen die von mir?
Warum wollen sie das?
Muss ich reagieren?
Bis wann?
Und was passiert danach?
Plötzlich wird aus drei Seiten Verwaltungssprache eine verständliche Erklärung.
Das spart nicht nur Zeit.
Es spart Nerven.
Und davon kann man nie genug haben.
Der Technik-Support, der nachts noch wach ist
Dann wäre da noch Technik.
Apple Watch.
iPhone.
iPad.
Sonos.
FRITZ!Box.
Drucker.
Apps.
Widgets.
Irgendetwas funktioniert immer nicht so, wie es sollte.
Und selbstverständlich passiert so etwas bevorzugt zu einer Uhrzeit, zu der keine Hotline der Welt mehr erreichbar ist.
ChatGPT schläft nicht.
Das ist praktisch.
Manchmal kommen wir nach zwei Minuten zur Lösung.
Manchmal nach zwanzig.
Und manchmal stelle ich irgendwann fest, dass nicht die Technik das Problem war, sondern derjenige, der davor sitzt.
Auch das soll gelegentlich vorkommen.
Und dann reden wir über vollkommen unwichtige Dinge
Das gehört für mich genauso dazu.
Nicht jede Unterhaltung muss ein Problem lösen.
Welche Farbe passt dazu?
Welcher Hintergrund sieht besser aus?
Ist dieser Lautsprecher wirklich sinnvoll?
Wie könnte eine Überschrift heißen?
Was hältst du von dieser Idee?
Genau aus solchen Gesprächen entstehen manchmal die besten Einfälle.
Deshalb gefällt mir der Begriff Sparringspartner so gut.
Ich werfe einen Gedanken hin.
Bekomme etwas zurück.
Widerspreche.
Ändere etwas.
Und plötzlich sind wir drei Gedanken weiter als vorher.
Nein, ChatGPT hat nicht immer recht
Das gehört unbedingt dazu.
Eine KI kann sich irren.
Sie kann etwas falsch verstehen.
Sie kann ausgesprochen überzeugend klingen und trotzdem Unsinn erzählen.
Deshalb gebe ich mein eigenes Denken nicht an der Eingangstür ab.
Gerade bei wichtigen Dingen möchte ich Quellen, prüfe nach und widerspreche auch.
Und manchmal sage ich schlicht:
Nein, das passt überhaupt nicht.
Dann versuchen wir es eben noch einmal.
Vielleicht ist genau das die vernünftigste Art, mit KI umzugehen.
Nicht als Orakel.
Nicht als Autorität.
Sondern als Werkzeug.
Ein ziemlich mächtiges Werkzeug allerdings.
Habe ich dadurch weniger eigene Ideen?
Eher das Gegenteil.
Eine gute Idee entsteht bei mir selten komplett fertig.
Sie entwickelt sich im Gespräch.
Früher hätte ich dafür jemanden anrufen müssen.
Was schon daran gescheitert wäre, dass ich ausgesprochen ungern telefoniere.
Heute öffne ich ChatGPT.
„Ich hab da eine Idee …“
Und los geht’s.
Manchmal wird daraus nichts.
Manchmal eine bessere Idee.
Und manchmal ein kompletter Blogartikel.
So wie dieser hier.
Werkzeug, Sparringspartner, zweites Gehirn
Ich weiß nicht, wie wir in zehn Jahren über künstliche Intelligenz denken werden.
Vielleicht werden wir über unsere heutige Begeisterung lachen.
Vielleicht werden wir uns fragen, wie wir jemals ohne sie gearbeitet haben.
Vermutlich ein bisschen von beidem.
Für mich zählt erst einmal das Hier und Jetzt.
Und da ist ChatGPT inzwischen die App, die ich öffne, wenn ich etwas wissen möchte.
Wenn ich etwas verstehen möchte.
Wenn ich einen Gedanken sortieren möchte.
Wenn ich schreiben möchte.
Wenn etwas nicht funktioniert.
Oder wenn ich einfach wissen möchte, ob die Schale, die ich gerade entdeckt habe, wirklich auf meine türkise Kommode passt.
Die wichtigen Fragen des Lebens eben.
Ich denke weiterhin selbst.
Aber manchmal denkt es sich zu zweit einfach besser.
ChatGPT - unverzichtbar.