Unverzichtbare iOS-Apps #5: iA Writer - einfach schreiben
Ich schreibe wieder.
Eigentlich sagt dieser eine Satz schon ziemlich viel darüber aus, warum iA Writer für mich zu den unverzichtbaren Apps gehört.
Denn wenn ich schreiben möchte, brauche ich keine 48 Schriftarten.
Ich muss keinen Seitenrand einstellen.
Ich brauche keine Cliparts, keine Textfelder und ganz sicher keinen Assistenten, der mir erklären möchte, wie man einen Geschäftsbrief formatiert.
Ich brauche eine leere Fläche.
Und einen Cursor.
Dann kann es losgehen.
Schreiben und Textverarbeitung sind zwei verschiedene Dinge
Das habe ich irgendwann verstanden.
Word ist eine hervorragende Textverarbeitung.
Pages ebenfalls.
Mit beiden kann ich Dokumente gestalten, Briefe schreiben, Tabellen einfügen, Seiten formatieren und am Ende etwas produzieren, das ordentlich ausgedruckt werden kann.
Aber wenn ich einen Blogartikel oder eine Geschichteschreiben möchte, brauche ich all das nicht.
Dann brauche ich einen Ort für Gedanken.
Und genau da fühlt sich iA Writer für mich richtig an.
App öffnen.
Neues Dokument.
Schreiben.
Dieser verdammte blinkende Cursor
Manchmal ist er allerdings auch der größte Feind.
Da ist eine Idee im Kopf, die dort noch unglaublich klug geklungen hat.
iA Writer öffnen.
Cursor blinkt.
Und plötzlich ist die Idee weg.
Das kann iA Writer leider auch nicht verhindern.
Aber immerhin lenkt mich die App anschließend nicht noch mit 27 Symbolleisten davon ab, sie wiederzufinden.
Sie wartet einfach.
Cursor blinkt weiter.
Irgendwann kommt der erste Satz.
Und dann meistens auch der zweite.
Markdown statt Formatierungszirkus
Ich mag Markdown.
Nicht, weil ich besonders nerdig wirken möchte, sondern weil es ein wunderbar einfaches Prinzip ist.
Eine Überschrift ist eine Überschrift.
Fett ist fett.
Ein Link ist ein Link.
Ich kann meinem Text Struktur geben, ohne ständig die Hände vom Schreiben nehmen und irgendwelche Menüs öffnen zu müssen.
Der Text bleibt Text.
Und genau darum geht es mir.
Die Gestaltung kommt später.
Der Blog entsteht nicht in WordPress
Natürlich landet ein Blogartikel irgendwann im Blog.
Aber dort muss er nicht entstehen.
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied.
Wenn ich direkt in einem Content-Management-System schreibe, bin ich gedanklich schon beim Veröffentlichen.
Wie sieht die Überschrift aus?
Welche Kategorie?
Welches Bild?
Passt der Absatz?
Wie sieht das auf dem iPhone aus?
Alles Dinge, die irgendwann wichtig werden.
Aber nicht beim ersten Satz.
In iA Writer existiert zunächst nur der Text.
Und ich.
Das reicht.
Auf dem iPhone anfangen, auf dem iPad weitermachen
Ideen halten sich außerdem ausgesprochen selten an Bürozeiten.
Manchmal fällt mir etwas ein, während ich auf dem Sofa sitze. Manchmal unterwegs. Manchmal zu einer Uhrzeit, zu der vernünftige Menschen längst schlafen.
Dann ist das Gerät in meiner Hand eben das richtige Gerät.
Ein paar Sätze auf dem iPhone.
Später auf dem iPad weiterlesen.
Oder am Mac daraus einen fertigen Artikel machen.
Der Text ist wichtiger als das Gerät, auf dem er entstanden ist.
Genau so sollte es sein.
Fokus ist keine fehlende Funktion
Das vielleicht Schönste an iA Writer ist für mich das, was die App nicht versucht.
Sie möchte keine komplette Bürosoftware sein.
Sie möchte nicht mein Notizbuch, meine Tabellenkalkulation, mein Präsentationsprogramm und meine Projektverwaltung gleichzeitig ersetzen.
Sie möchte, dass ich schreibe.
Das wirkt heute beinahe radikal.
Wir leben schließlich in einer Zeit, in der jede App irgendwann meint, noch fünf weitere Dinge können zu müssen.
iA Writer bleibt erstaunlich nah an seiner ursprünglichen Idee.
Text.
Natürlich könnte ich auch eine andere App nehmen
Es gibt genügend Schreibprogramme.
Apple Notizen könnte reichen.
Pages könnte reichen.
Word könnte reichen.
Und wahrscheinlich könnte ich diesen ganzen Artikel sogar direkt in WordPress tippen.
Darum geht es aber nicht.
Werkzeuge sind manchmal mehr als ihre Funktionsliste.
Man gewöhnt sich an eine Umgebung. An ihre Ruhe. An ihre Eigenheiten. Irgendwann öffnet man eine bestimmte App und der Kopf weiß:
Jetzt wird geschrieben.
Genau dieses Gefühl habe ich bei iA Writer.
Und manchmal wird daraus tatsächlich etwas
Ein Gedanke.
Ein erster Satz.
Ein paar Absätze.
Streichen.
Neu schreiben.
Noch einmal lesen.
Und irgendwann steht da etwas, das vorher nur irgendwo im Kopf herumgeschwirrt ist.
Vielleicht ein Blogartikel.
Vielleicht nur eine halbe Seite, die niemals jemand zu Gesicht bekommt.
Beides ist völlig in Ordnung.
Denn Schreiben beginnt nicht mit Veröffentlichen.
Schreiben beginnt mit einem leeren Blatt.
Oder in meinem Fall:
mit iA Writer.
Unverzichtbar.