Unverzichtbare iOS-Apps - Staffel 2 #1: Day One - mein Leben seit 2010
Seit 2010 steckt ein Teil meines Lebens in einer App.
Damals habe ich angefangen, mit Day One Tagebuch zu schreiben.
Zunächst eher sporadisch.
Mal ein Eintrag.
Dann wieder längere Zeit nichts.
Das übliche Schicksal vermutlich, das viele Tagebücher ereilt. Man beginnt voller guter Vorsätze und irgendwann stellt man fest, dass der letzte Eintrag schon wieder Wochen zurückliegt.
Bei mir änderte sich das im Dezember 2016.
Seitdem schreibe ich.
Jeden einzelnen Tag.
Kein „fast jeden Tag“.
Kein „wenn etwas Besonderes passiert“.
Jeden Tag.
Und spätestens damit wurde Day One für mich von einer App zu etwas ganz anderem.
Warum schreibt man überhaupt Tagebuch?
Darauf habe ich eigentlich keine besonders philosophische Antwort.
Ich möchte mich erinnern.
Nicht nur an die großen Dinge.
Die vergisst man meistens ohnehin nicht.
Geburtstage. Umzüge. Reisen. Menschen, die ins eigene Leben kommen. Menschen, die daraus verschwinden. Gute Zeiten. Schlechte Zeiten.
Aber ein Leben besteht eben nicht nur aus diesen großen Ereignissen.
Es besteht vor allem aus den Tagen dazwischen.
Was habe ich gemacht?
Worüber habe ich mich gefreut?
Was hat mich geärgert?
Mit wem habe ich gesprochen?
Was ging mir gerade durch den Kopf?
Dinge, von denen man heute glaubt, man würde sie niemals vergessen.
Fünf Jahre später hat man keine Ahnung mehr.
Unser Gedächtnis ist ein miserabler Archivar
Das merke ich immer wieder, wenn ich alte Einträge lese.
Manchmal denke ich:
Ach du meine Güte, das hatte ich vollkommen vergessen.
Und plötzlich ist es wieder da.
Nicht nur das Ereignis.
Manchmal auch die Stimmung.
Ein Foto.
Ein Ort.
Ein Satz.
Eine vollkommen belanglose Kleinigkeit, die aus irgendeinem Grund sofort eine ganze Erinnerung zurückbringt.
Genau deshalb liebe ich ein Tagebuch.
Es bewahrt nicht nur die Dinge auf, von denen ich damals wusste, dass sie wichtig sind.
Es bewahrt auch Dinge auf, von denen ich erst Jahre später merke, dass sie wichtig waren.
Seit Dezember 2016. Jeden Tag.
Darauf bin ich inzwischen tatsächlich ein bisschen stolz.
Nicht weil tägliches Tagebuchschreiben irgendeine besondere Leistung wäre.
Aber Gewohnheiten über Jahre beizubehalten ist gar nicht so einfach.
Es gibt Tage, da habe ich viel zu erzählen.
Dann werden aus einem Eintrag schnell längere Texte.
Und natürlich gibt es andere.
Tage, an denen eigentlich nichts passiert ist.
Tage, an denen ich müde bin.
Tage, an denen ich überhaupt keine Lust habe.
Dann sind es eben ein paar Sätze.
Aber der Tag bekommt seinen Platz.
Denn auch ein Tag, an dem nichts Weltbewegendes passiert, war schließlich ein Teil meines Lebens.
Day One macht es mir leicht
Vielleicht hätte ich diese Gewohnheit auch mit einem Papier-Tagebuch entwickeln können.
Aber ich bezweifle es.
Day One ist einfach da.
Auf dem iPhone.
Auf dem iPad.
Auf dem Mac.
Wenn mir etwas einfällt, kann ich schreiben.
Und ein digitales Tagebuch kann noch etwas, das Papier nur ziemlich umständlich kann:
Fotos gehören direkt zum Eintrag.
Orte können dazugehören.
Zeitpunkte.
Zusätzliche Informationen.
Und plötzlich ist ein alter Eintrag nicht nur Text, sondern eine kleine Zeitkapsel.
Fotos verändern alles
Gerade Fotos finde ich dabei unglaublich wichtig.
Ein Satz wie:
„Heute waren wir dort und dort.“
ist nett.
Aber wenn daneben ein Foto von diesem Tag auftaucht, passiert etwas anderes.
Man sieht Menschen wieder.
Eine Wohnung.
Ein Restaurant.
Eine Landschaft.
Vielleicht irgendeinen vollkommen banalen Gegenstand, der damals zum Alltag gehörte und heute längst verschwunden ist.
Und plötzlich erinnert man sich an Dinge, die im Text überhaupt nicht stehen.
Ein Bild ersetzt für mich deshalb nicht den Tagebucheintrag.
Es öffnet eine weitere Tür zur Erinnerung.
Das Tagebuch urteilt nicht
Es gibt noch etwas, das ich am Tagebuchschreiben mag.
Ich muss niemandem gefallen.
Ein Blogartikel wird veröffentlicht.
Eine Nachricht bekommt jemand anderes zu lesen.
Ein Beitrag in einem sozialen Netzwerk hat ein Publikum.
Mein Tagebuch nicht.
Dort darf ich schreiben, was ich in diesem Moment denke.
Unsortiert.
Emotional.
Ungerecht.
Begeistert.
Traurig.
Wütend.
Vollkommen banal.
Ich muss mich nicht erklären.
Und ich muss daraus keinen schönen Text machen.
Das ist ein erstaunlicher Luxus.
Manchmal unterhalte ich mich mit meinem früheren Ich
Eine meiner schönsten Funktionen eines digitalen Tagebuchs ist für mich deshalb gar nicht das Schreiben.
Es ist das Wiederlesen.
Was habe ich an diesem Tag vor einem Jahr gemacht?
Vor fünf Jahren?
Vor zehn?
Manchmal erkenne ich mich sofort wieder.
Manchmal denke ich:
Was hat der Mann denn damals für einen Unsinn gedacht?
Auch das gehört dazu.
Denn ein Tagebuch dokumentiert eben nicht nur, was passiert ist.
Es dokumentiert auch, wer ich zu diesem Zeitpunkt war.
Und dieser Mensch verändert sich.
Zum Glück.
Irgendwann wird daraus Geschichte
Ein einzelner Tagebucheintrag ist zunächst nur ein Tagebucheintrag.
Nach einer Woche sind es sieben.
Nach einem Jahr 365.
Und nach vielen Jahren entsteht etwas, das man am Anfang überhaupt nicht planen kann:
eine Chronik des eigenen Lebens.
Seit 2010 sammelt sich diese Chronik bei mir.
Und seit Dezember 2016 fehlt darin kein einziger Tag.
Natürlich steht darin nicht alles.
Das wäre auch unmöglich.
Aber es steht genug darin, um Türen zu Erinnerungen zu öffnen, von denen manche längst verschlossen wären.
Eine App, die mit jedem Jahr wertvoller wird
Das unterscheidet Day One für mich von fast allen anderen Apps dieser Reihe.
Eine Wetter-App ist heute nützlich.
Ein Dateimanager ist heute nützlich.
Eine Kamera-App ist heute nützlich.
Day One dagegen wird mit jedem Tag, an dem ich es benutze, wertvoller.
Nicht wegen neuer Funktionen.
Nicht wegen eines Updates.
Sondern wegen der Vergangenheit, die darin steckt.
Wenn ich heute einen Eintrag schreibe, ist er einfach nur der Eintrag von heute.
2036 könnte genau dieser vollkommen gewöhnliche Text plötzlich eine Erinnerung sein, über die ich mich freue.
Das weiß ich heute noch nicht.
Also schreibe ich ihn.
Heute Abend kommt der nächste Eintrag
Vielleicht passiert heute noch etwas Besonderes.
Vielleicht auch nicht.
Völlig egal.
Am Ende des Tages werde ich Day One öffnen.
Ich werde ein paar Zeilen schreiben.
Vielleicht ein Foto hinzufügen.
Und damit bekommt auch dieser Tag seinen kleinen Platz in meiner Geschichte.
So mache ich das seit Dezember 2016.
Jeden einzelnen Tag.
Und morgen mache ich weiter.
Day One - unverzichtbar.