Balus Cave

Unverzichtbare iOS-Apps - Staffel 2 #2: Evernote - mein digitales Gedächtnis seit 2010

2010 war offenbar ein gutes Jahr für mein digitales Gedächtnis.

Ich begann mit Day One Tagebuch zu schreiben.

Und ich fing an, Evernote zu benutzen.

Beide Apps begleiten mich bis heute – allerdings aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Day One weiß, was in meinem Leben passiert ist.

Evernote weiß dagegen ungefähr alles andere.

Über 4.400 Notizen haben sich dort inzwischen angesammelt.

Und vermutlich ist das die beste Erklärung dafür, warum Evernote für mich unverzichtbar geworden ist.

Wenn ich nicht weiß, wohin damit: Evernote

Das ist über die Jahre fast zu einem Reflex geworden.

Eine Information, die ich später noch brauchen könnte?

Evernote.

Ein Dokument?

Evernote.

Eine Webseite?

Evernote.

Eine Idee?

Evernote.

Irgendetwas, bei dem ich heute noch nicht weiß, wofür ich es irgendwann brauchen könnte?

Erst recht Evernote.

Natürlich könnte ich alles fein säuberlich auf verschiedene Apps verteilen.

Aber dann müsste ich mir später merken, wo ich etwas abgelegt habe.

Und genau das wollte ich eigentlich vermeiden.

Das Problem ist nicht das Speichern

Speicherplatz haben wir heute mehr als genug.

Das Problem lautet:

Finde den Kram fünf Jahre später wieder.

Darin liegt für mich der eigentliche Wert eines digitalen Notizsystems.

Eine Information abzulegen dauert Sekunden.

Aber wenn ich irgendwann denke:

„Da hatte ich doch mal etwas …“

möchte ich nicht 17 Ordner, fünf Cloudspeicher und meine komplette Mailbox durchsuchen.

Ich möchte suchen.

Und finden.

Evernote ist deshalb für mich weniger ein Notizbuch als ein Archiv mit Suchfeld.

Über 4.000 Notizen sind nicht ordentlich

Falls jetzt jemand glaubt, hinter diesen Tausenden Notizen stecke ein perfekt durchorganisiertes System:

Nein.

Natürlich gibt es Struktur.

Notizbücher.

Schlagwörter.

Eine gewisse Ordnung.

Aber nach so vielen Jahren entsteht zwangsläufig auch digitaler Dachboden.

Und das ist vollkommen in Ordnung.

Auf einem richtigen Dachboden liegt schließlich auch nicht jede Kiste nach DIN-Norm beschriftet im Regal.

Entscheidend ist, dass ich meistens wiederfinde, was ich suche.

Evernote und ich hatten auch schwierigere Jahre

Nun könnte ich behaupten, Evernote sei seit 2010 einfach immer besser geworden und ich hätte niemals über eine Alternative nachgedacht.

Das wäre eine ziemlich langweilige Geschichte.

Und außerdem gelogen.

Evernote hat über die Jahre einige Entscheidungen getroffen, bei denen ich mich durchaus gefragt habe:

Was macht ihr da eigentlich?

Produkte wurden verändert.

Preise wurden verändert.

Funktionen kamen und gingen.

Konkurrenten wurden besser.

Und irgendwann hatte gefühlt jeder zweite Produktivitätsblog einen Artikel mit der Überschrift:

„Die besten Evernote-Alternativen“.

Ich habe mir natürlich auch Alternativen angesehen.

Und trotzdem bin ich noch da.

Warum eigentlich?

Zum Teil sicherlich aus Gewohnheit.

Das gebe ich offen zu.

Wenn man seit 2010 Informationen in einem System sammelt, wechselt man nicht mal eben am Sonntagnachmittag die App.

Aber das allein wäre kein Grund zu bleiben.

Evernote erledigt für mich nach wie vor genau die Aufgabe, für die ich es brauche:

Informationen sammeln, organisieren und später wiederfinden.

Nicht spektakulär.

Aber zuverlässig genug, dass ich ihm seit vielen Jahren einen erheblichen Teil meines digitalen Gedächtnisses anvertraue.

Das Web gehört ebenfalls hinein

Ein großer Teil meines digitalen Lebens findet natürlich im Browser statt.

Artikel.

Anleitungen.

Informationen.

Dinge, die ich später noch einmal lesen oder als Referenz behalten möchte.

Ein Lesezeichen hilft dabei nur bedingt.

Denn ein Lesezeichen sagt mir:

Dort war einmal etwas.

Evernote erlaubt mir, interessante Inhalte wesentlich näher an meinem eigenen Archiv aufzubewahren.

Das passt zu meiner Art, Informationen zu sammeln.

Ich möchte nicht darauf hoffen, dass ich irgendwann noch weiß, auf welcher Webseite ich etwas gesehen habe.

Ich möchte wissen:

Ich habe es gespeichert.

Nicht alles muss ins Gehirn

Vielleicht ist das überhaupt der größte Vorteil.

Ich muss mir nicht jede Information merken.

Ich muss nur wissen, wo ich sie abgelegt habe.

Das entlastet.

Mein Kopf ist schließlich hervorragend darin, sich vollkommen nutzlose Dinge jahrzehntelang zu merken und gleichzeitig zu vergessen, weshalb ich gerade in ein anderes Zimmer gegangen bin.

Also teilen wir uns die Arbeit.

Ich denke.

Evernote merkt sich den Rest.

Meistens jedenfalls.

Warum nicht einfach Apple Notizen?

Eine berechtigte Frage.

Apple Notizen ist inzwischen richtig gut.

Für viele Menschen dürfte es vollkommen ausreichen und wer ausschließlich im Apple-Ökosystem unterwegs ist, bekommt eine hervorragende App praktisch gratis mitgeliefert.

Aber mein Evernote-Archiv existiert seit 2010.

Da liegen Jahre meines digitalen Lebens.

Und irgendwann geht es bei einem solchen Werkzeug nicht mehr nur darum, welche App heute auf einem Vergleichsportal einen Punkt mehr bekommt.

Es geht um Vertrauen.

Gewohnheit.

Und um die eigene Geschichte mit einem Werkzeug.

Eine ziemlich lange Beziehung

Sechzehn Jahre sind in der Softwarewelt eine Ewigkeit.

iPhones haben sich verändert.

iOS hat sich verändert.

Apps sind gekommen und verschwunden.

Dienste, die einmal unverzichtbar schienen, existieren längst nicht mehr.

Evernote ist immer noch da.

Und mein Archiv ebenfalls.

Vielleicht werde ich irgendwann doch zu etwas anderem wechseln.

Bei Software sollte man niemals „nie“ sagen.

Aber dafür müsste eine andere App mir nicht nur ein paar schönere Funktionen anbieten.

Sie müsste den Platz übernehmen, den Evernote über viele Jahre bekommen hat:

den Platz als mein digitales Gedächtnis.

Und den gibt man nicht so leicht her.

Wenn ich heute etwas entdecke, von dem ich denke:

Das könnte ich irgendwann noch brauchen …

weiß ich ziemlich genau, wo es landet.

Seit 2010.

Evernote - unverzichtbar.