Balus Cave

Unverzichtbare iOS-Apps - Staffel 2 #7: Kino - wenn aus einem Video ein Film werden soll

In der letzten Folge ging es um Halide.

Und ich schrieb:

Manchmal möchte ich knipsen. Manchmal möchte ich fotografieren.

Beim Video ist es eigentlich genauso.

Manchmal möchte ich einfach etwas aufnehmen.

iPhone raus.

Kamera öffnen.

Aufnahme drücken.

Fertig.

Und manchmal möchte ich filmen.

Dann öffne ich Kino.

Das iPhone ist längst eine verdammt gute Videokamera

Darüber müssen wir eigentlich nicht mehr diskutieren.

Die Videoqualität aktueller iPhones ist beeindruckend.

Apple hat über Jahre daran gearbeitet, dass ich möglichst wenig darüber nachdenken muss, was die Kamera gerade macht.

Und das funktioniert.

Kind läuft durchs Bild?

Aufnehmen.

Urlaub?

Aufnehmen.

Irgendetwas passiert, das ich festhalten möchte?

Aufnehmen.

Das Ergebnis sieht meistens gut aus.

Genau das soll eine Smartphone-Kamera können.

Nur möchte ich manchmal mehr als „sieht gut aus“.

Ein gutes Video und ein schöner Film sind nicht dasselbe

Das klingt vielleicht etwas hochtrabend.

Ich drehe schließlich keinen neuen Blade Runner mit dem iPhone.

Aber trotzdem gibt es einen Unterschied.

Ein Video dokumentiert für mich zunächst einmal etwas.

Das ist passiert.

Ein Film darf darüber hinaus eine Stimmung haben.

Licht.

Farben.

Bewegung.

Tempo.

Einen bestimmten Look.

Und plötzlich geht es nicht mehr ausschließlich darum, was ich aufnehme.

Sondern auch darum, wie es aussieht.

Genau an diesem Punkt wird Kino interessant.

Kino möchte, dass ich Entscheidungen treffe

Wie Halide nimmt auch Kino mir nicht einfach möglichst alles aus der Hand.

Im Gegenteil.

Die App gibt mir Möglichkeiten zurück.

Belichtung.

Fokus.

Weißabgleich.

Bildrate.

Und andere Dinge, über die Apples Kamera-App im Alltag lieber selbst entscheidet.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ich vor jedem zehnsekündigen Clip erst eine Ausbildung zum Kameramann absolvieren möchte.

Aber wenn ich bewusst filmen will, möchte ich die Möglichkeit haben einzugreifen.

Und Kino gibt sie mir.

Dann wären da die Looks

Das ist wahrscheinlich einer der Punkte, die bei Kino sofort Spaß machen.

Ein Video muss nicht immer nach:

„Mit einem iPhone aufgenommen“

aussehen.

Kino arbeitet mit unterschiedlichen Looks, die dem Material schon beim Filmen beziehungsweise bei der Verarbeitung eine bestimmte Anmutung geben können.

Und nein:

Ein Filter macht aus einem schlechten Video noch keinen guten Film.

Genauso wenig wie ein Instagram-Filter aus einem langweiligen Foto plötzlich Kunst macht.

Aber Farbe beeinflusst Stimmung.

Sehr sogar.

Und wenn ich bereits beim Aufnehmen eine Vorstellung davon habe, wie das Ergebnis wirken soll, ist es schön, diese Richtung direkt einschlagen zu können.

Log - oder warum das Video plötzlich so langweilig aussieht

Dann gibt es noch einen Begriff, der spätestens bei ambitionierterem Filmen mit dem iPhone auftaucht:

Log.

Das Material sieht zunächst häufig flach, kontrastarm und ehrlich gesagt ein bisschen langweilig aus.

Und genau so soll es sein.

Denn ähnlich wie RAW beim Fotografieren geht es darum, mir für die spätere Bearbeitung mehr Möglichkeiten zu erhalten.

Die Farben und Kontraste werden nicht bereits vollständig festgelegt.

Ich bekomme Ausgangsmaterial.

Was ich daraus mache, entscheide ich später.

Das ist mächtig.

Aber natürlich auch mehr Arbeit.

Mehr Kontrolle bedeutet wieder mehr Möglichkeiten, Mist zu bauen

Das hatten wir bei Halide schon.

Und beim Video gilt es mindestens genauso.

Apples Kamera-App schützt mich ziemlich gut vor mir selbst.

Kino tut das weniger.

Falsche Belichtung?

Meine Entscheidung.

Unpassender Weißabgleich?

Herzlichen Glückwunsch.

Fokus daneben?

Kann passieren.

Aber genau darin liegt für mich der Reiz.

Wenn ich mehr Kontrolle möchte, muss ich akzeptieren, dass ich damit auch mehr Verantwortung für das Ergebnis bekomme.

Automatik ist schließlich nicht der Feind.

Sie ist häufig einfach verdammt praktisch.

Deshalb ersetzt Kino Apples Kamera bei mir nicht

Das ist mir bei diesem Beitrag genauso wichtig wie bei Halide.

Wenn ich spontan etwas aufnehmen möchte, werde ich nicht erst Kino öffnen und Einstellungen kontrollieren.

Dafür ist Apples Kamera hervorragend.

Schnell.

Zuverlässig.

Immer griffbereit.

Kino benutze ich dann, wenn ich vorher schon weiß:

Jetzt möchte ich ein bisschen mehr daraus machen.

Das sind zwei völlig unterschiedliche Situationen.

Und deshalb dürfen beide Apps nebeneinander existieren.

Brauche ich wirklich noch eine Kamera-App?

Nein.

Schon wieder diese Antwort.

😁

Wer mit seinem iPhone Erinnerungen festhalten möchte, braucht Kino nicht.

Apple liefert eine Videokamera mit, die für wahrscheinlich weit mehr als 90 Prozent aller Aufnahmen vollkommen ausreicht.

Und wer wirklich tief in professionelle Videoproduktion einsteigen möchte, findet wiederum Apps mit noch mehr Möglichkeiten und Einstellungen.

Kino sitzt für mich an einer interessanten Stelle dazwischen.

Mehr Kontrolle als Apples Kamera.

Aber ohne aus jeder Aufnahme gleich eine technische Abschlussprüfung zu machen.

Das gefällt mir.

Es darf auch einfach Spaß machen

Das ist überhaupt ein Punkt, den wir bei Technik manchmal vergessen.

Nicht alles muss effizienter machen.

Nicht jede App muss ein Problem lösen.

Manchmal darf eine App einfach dafür sorgen, dass ich Lust bekomme, etwas auszuprobieren.

Wie sieht die Szene mit diesem Look aus?

Was passiert, wenn ich anders belichte?

Wie wirkt eine ruhigere Kamerabewegung?

Kann ich aus etwas vollkommen Alltäglichem ein schönes kleines Video machen?

Und plötzlich beschäftigt man sich wieder bewusster mit dem, was man aufnimmt.

Das ist für mich bereits ein Mehrwert.

Halide für Fotos. Kino für Bewegung.

Damit sind die beiden Apps für mich tatsächlich Geschwister.

Halide nehme ich, wenn ich nicht einfach nur ein Foto machen, sondern fotografieren möchte.

Kino nehme ich, wenn ich nicht einfach nur auf Aufnahme drücken möchte.

Beide Apps machen die Hardware meines iPhones nicht besser.

Das können sie gar nicht.

Sie verändern etwas anderes:

wie ich diese Hardware benutze.

Und genau deshalb haben beide ihren Platz auf meinem iPhone.

Manchmal möchte ich einfach ein Video aufnehmen.

Und manchmal möchte ich sehen, ob daraus vielleicht ein kleiner Film werden kann.

Für diesen zweiten Moment gibt es Kino.

Kino - unverzichtbar.