Vom Ende der Hülle und dem Luxus der unsichtbaren Fülle
Es gab eine Zeit, da definierte sich der Musikgeschmack eines Mannes durch die Regalmeter in seinem Wohnzimmer. CDs, akribisch nach Alphabet oder Genre sortiert, daneben die Blu-Rays für den gepflegten Heimkino-Abend. Bei uns ist diese Epoche endgültig Geschichte. Die physischen Datenträger haben ihre letzte Reise angetreten, verbannt in den Abstellraum. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Heute wird gestreamt. Egal ob Musik, Podcasts oder Filme. Was früher Platz wegnahm und Staub fing, schwebt heute vollkommen immateriell im Raum.
Und weil ich, wie meine Familie augenrollend bestätigen kann in puncto Technik schlicht unheilbar positiv verrückt bin, habe ich Nägel mit Köpfen gemacht. Wer mich kennt, weiß: Halbe Sachen sind nicht mein Stil. Wenn man sich für ein System entscheidet, dann durch und durch.
Unsere rund 800 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche sind inzwischen eine lückenlose Sonos-Zone. Egal wo man sich bewegt, das System ist schon da. Draußen auf der Terrasse verrichten die Move 2 ihren Dienst (inzwischen sind 2 Devialet im Test Einsatz), denn für die weitläufige Luftlinie draußen sind die kleinen Roam 2 schlicht zu klein. Drinnen übernehmen die Era 100 in den kleineren Räumen und die Era 300 bzw. Five dort, wo der Raumklang wirklich entfaltet werden muss. Und an jedem einzelnen Fernseher im Haus? Da verrichtet eine Arc ihren Dienst beziehungsweise wird sie gerade Schritt für Schritt durch die neue Arc Ultra ersetzt. Man will ja schließlich auf dem neuesten Stand bleiben.
Das wahre Highlight daran ist gar nicht mal nur der Klang, sondern die Freiheit. Jeder bei uns im Haus kann von seiner Smartwatch, seinem iPhone oder iPad jederzeit und überall genau die Musik oder den Ton anmachen, den er gerade hören will. Keine Kabelsalate, keine komplizierten Receiver-Menüs, kein Kampf um die Fernbedienung.
Ich höre schon die audiophilen Puristen da draußen aufschreien: „Aber Balu, es gibt doch klanglich viel bessere Lautsprecher als Sonos!“
Ja, das weiß ich. Natürlich gibt es die. Aber seien wir doch mal ehrlich: Am Ende des Tages geht es im Alltag um den perfekten Kompromiss aus Klang, Ästhetik und kompromissloser Alltagstauglichkeit. Irgendwann muss man sich auf ein Ökosystem festlegen, das einfach funktioniert - nahtlos, stabil und für jeden im Haus intuitiv bedienbar.
Naja, fast überall zumindest. Keine Regel ohne die sprichwörtliche Ausnahme: Im großen Wohnzimmer musste es dann doch das gewisse Extra sein. Wenn das Bild vom Beamer die Wand erhellt, übernimmt eine Bowers & Wilkins Anlage das Kommando. Da geht es nicht mehr nur um Hintergrundbeschallung, sondern um echtes Cinema-Feeling. Als elegante Schaltzentrale thront dort ein iPad mini, das ausschließlich für diesen Zweck dient.
Und weil Spieltrieb und Technikliebe selten vor vernünftigen Grenzen Halt machen, stehen parallel dazu immer noch ein paar HomePods und HomePod minis verstreut herum. Einfach, weil ich diese kleinen technischen Spielereien mag. Weil es Spaß macht, mit Sprachbefehlen zu experimentieren und das Smart Home auszuloten.
Am Ende ist Technik für mich genau dann perfekt, wenn sie sich unsichtbar macht, aber genau im richtigen Moment maximale Lebensqualität liefert. Die Scheiben stehen in der Abstellkammer, aber der Sound war bei uns noch nie so lebendig.
Wie haltet ihr das bei euch daheim? Noch Verfechter des physischen Regals oder auch schon komplett im Streaming-Olymp angekommen?