Warum es eine bescheuerte Idee ist, das WLAN im laufenden Betrieb umzubenennen
Es gibt Entscheidungen, deren Tragweite man sofort erkennt.
Ein Haus kaufen.
Heiraten.
Kinder bekommen.
In die Toskana ziehen.
Und dann gibt es Entscheidungen wie:
„Ich könnte eigentlich mal dem WLAN einen vernünftigen Namen geben.“
Das Anwesen hat etwas über 800 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf drei Stockwerke. Alte Mauern, teilweise so dick, dass vermutlich schon die Medici Schwierigkeiten gehabt hätten, ein Funksignal hindurchzubekommen.
Deshalb gibt es Glasfaser, einen ziemlich potenten Router und eine Armada von Mesh-Repeatern und Access Points, die dafür sorgt, dass selbst auf der Terrasse noch genug Bandbreite vorhanden ist, um vollkommen unnötige Dinge in 4K anzusehen.
Das WLAN funktionierte.
Überall.
Seit drei Jahren.
Das hätte mir Warnung genug sein müssen.
Aber nein.
Ich saß eines Morgens mit einem Espresso in der Küche und betrachtete auf meinem MacBook den Namen meines WLANs.
Irgendetwas Technisches. Eine Mischung aus Herstellername, Zahlen und vermutlich der Seriennummer einer mittelgroßen italienischen Waschmaschine.
Unwürdig.
Ein Haus hat einen Namen. Die Zimmer haben Namen. Sogar die Kaffeemaschine hat einen Namen.
Also sollte auch das WLAN einen haben.
Ich dachte kurz nach, fand einen Namen, der dem Anwesen angemessen erschien, öffnete die Einstellungen und änderte die SSID.
Speichern.
Fertig.
Ich lehnte mich zufrieden zurück.
Für ungefähr sieben Sekunden.
Dann verstummte die Musik.
Nicht langsam. Nicht mit einem letzten dramatischen Akkord.
Einfach weg.
Sonos hatte beschlossen, dass dieses Haus offenbar nicht mehr existierte.
Mein MacBook meldete keine Internetverbindung. Das iPad ebenfalls. Das iPhone wechselte beleidigt auf Mobilfunk.
Oben im Arbeitszimmer verschwand der Drucker.
Die Fernseher verloren ihre Streamingdienste.
Die Überwachungskameras waren offline.
Der Staubsaugerroboter wurde vermisst.
Und irgendwo im zweiten Stock blinkte ein Repeater in einer Farbe, die ich noch nie zuvor gesehen hatte und die eindeutig bedeutete:
Du Idiot.
In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich nicht einfach den Namen eines WLANs geändert hatte.
Ich hatte einem digitalen Dorf mit ungefähr vierzig Einwohnern mitgeteilt, dass seine Heimat über Nacht verschwunden war.
Und diese Einwohner waren nicht besonders anpassungsfähig.
Das MacBook war noch vergleichsweise vernünftig.
„Möchtest du dich mit dem neuen Netzwerk verbinden?“
Ja.
Passwort.
Fertig.
Sonos hingegen reagierte ungefähr so, als hätte ich versucht, die gesamte Anlage nach Nordkorea umzumelden.
Welches System?
Welches Netzwerk?
Welche Lautsprecher?
Möchten Sie ein neues System einrichten?
NEIN!
Ich möchte das alte System!
Das steht hier!
Ich kann es sehen!
Ein Lautsprecher befindet sich drei Meter von mir entfernt!
Nach zwanzig Minuten hatte ich zwei Lautsprecher wiedergefunden, drei weitere waren offenbar ausgewandert und einer behauptete hartnäckig, er gehöre zu einem anderen Haushalt.
Der Drucker wiederum war überzeugt, noch immer mit dem alten WLAN verbunden zu sein.
Was technisch bemerkenswert war, weil dieses WLAN seit einer halben Stunde nicht mehr existierte.
Die Smart-TVs verlangten ihre Passwörter.
Die Kameras verlangten ihre Passwörter.
Die Klimaanlage verlangte ihr Passwort.
Sogar irgendeine Steckdose verlangte ein Passwort.
Ich wusste nicht einmal, dass diese Steckdose WLAN hatte.
Nach einer Stunde lief ich mit dem iPhone durch ein 800-Quadratmeter-Haus und erklärte Geräten einzeln, dass wir umgezogen seien.
Nicht wirklich umgezogen.
Nur das WLAN hieß jetzt anders.
Das verstanden die Geräte allerdings nicht.
Für sie hatte ich offenbar die Villa abgerissen, fünf Kilometer weiter wieder aufgebaut und ihnen anschließend vergessen zu sagen, wo sie jetzt wohnen.
Am Nachmittag funktionierte das Erdgeschoss wieder.
Weitgehend.
Im ersten Stock gab es Musik, aber keinen Drucker.
Im zweiten Stock gab es Internet, allerdings hielt sich einer der Mesh-Punkte weiterhin für tot.
Auf der Terrasse funktionierte alles.
Warum?
Keine Ahnung.
Ich setzte mich dort hin.
Mit einem Glas Wein.
Und betrachtete mein Werk.
Der neue WLAN-Name war wirklich schön.
Sehr viel schöner als der alte.
Ich war inzwischen seit fünf Stunden damit beschäftigt.
Und während irgendwo im Haus noch ein Sonos-Lautsprecher einsam orange blinkte, lernte ich eine der wichtigsten Regeln des digitalen Zeitalters:
Wenn etwas seit Jahren problemlos funktioniert, dann gib ihm keinen schöneren Namen.
Es sei denn, du hast einen freien Samstag.
Sehr viel Geduld.
Und Wein.
Du bist schließlich in der Toskana.