Balus Cave

Warum ich auf den E-Rollstuhl pfeife und warum demnächst eine Maßanfertigung bei mir einzieht

Wenn man nach einer Unterschenkelamputation im Rollstuhl sitzt, liegt für Außenstehende eine Reaktion oft nah: „Na ja, du hast doch die Mittel. Kauf dir einfach den besten elektrischen Rollstuhl, dazu eine Highend-Prothese, und die Sache ist erledigt.“

Ganz so einfach funktioniert die Realität nach so einem Einschnitt allerdings nicht. Und vor allem: Es wäre der falsche Weg für mich.

Der Weg zur finalen Prothese braucht Zeit

Im Moment trage ich eine Interimsprothese. Wer das Thema nicht kennt: Nach der Operation verändert sich der Stumpf über Monate hinweg massiv. Er schrumpft, formt sich um und muss erst einmal stabil werden. Eine Interimsprothese ist genau dafür da - als Übergang für etwa ein halbes Jahr. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, macht es überhaupt Sinn, eine echte Maßanfertigung anzugehen. Mein klares Ziel für danach steht fest: Eine leichte Prothese aus Carbon, mit der man nicht nur auftreten, sondern ordentlich Strecke machen und laufen kann.

Bis dahin ist der Rollstuhl mein primäres Fortbewegungsmittel. Aber eben nicht irgendeiner.

Elektrorollstuhl? Nein danke - Bequemlichkeit ist der Feind

Ich habe mich ganz bewusst gegen einen elektrischen Rollstuhl entschieden. Warum? Weil ein E-Rollstuhl extrem schnell bequem und faul macht.

Ich habe das während der Reha genau beobachtet: Die Patienten, die mit einem E-Modell unterwegs waren, durften das Teil meistens nur in ihrer Freizeit nutzen. In den Therapiezeiten war das Ziel schlicht Muskelaufbau und ein Joystick nimmt dir nun mal jede körperliche Arbeit ab. Man gewöhnt sich unglaublich schnell an den Komfort, lehnt sich zurück und findet sich mit dem Status quo ab. Genau das will ich auf keinen Fall. Ich will aktiv bleiben, meine Oberkörpermuskulatur fordern und mich nicht selbst aus dem Rennen nehmen.

Wenn ich im Haus unterwegs bin, nutze ich deshalb einen ganz normalen, manuellen Rollstuhl. Das hält fit und ist im Alltag absolut praktisch. Und wenn es draußen über das Gelände geht? Nun, da steigt man einfach um und düst mit dem Quad herum. Man muss sich das Leben ja nicht unnötig schwer machen, wo der Spaß anfängt. 😁

Nächste Woche kommt der Techniker: Ein Rollstuhl auf Maß

Was mir früher als Fußgänger absolut nicht klar war: Rollstuhl ist nicht gleich Rollstuhl. Es gibt eine ganze Welt von maßgefertigten Aktivrollstühlen (Customize), die millimetergenau auf den eigenen Körper und die eigenen Anforderungsprofile zugeschnitten werden.

Nächste Woche steht bei mir ein Termin an, auf den ich mich riesig freue: Ein Techniker kommt vorbei und vermisst meine kompletten Körpermaße. Sitzbreite, Sitztiefe, Schwerpunkte, Rückenlehne, alles wird exakt auf mich abgestimmt. Das Ergebnis wird kein klapperiges Standardmodell sein, sondern ein Sportgerät, das perfekt sitzt und maximal wendig ist.

Auch optisch wird das Teil angepasst, ich schwanke aktuell noch zwischen blauen oder orangefarbenen Akzenten. Wie das Ganze am Ende im Detail aussieht und wie sich das Fahrgefühl im Vergleich schlägt, werde ich auf jeden Fall hier dokumentieren.