Balus Cave

Warum ich auf meine Apple Watch nicht mehr verzichten möchte

Ich bin kein Sportler. Zumindest nicht in dem Sinne, wie man ihn sich beim Thema Smartwatch normalerweise vorstellt.

Ich laufe keine Marathons, fahre keine 150 Kilometer mit dem Rennrad und bereite mich nicht auf den nächsten Triathlon vor. Wenn ich sportlich unterwegs wäre, hätte ich vielleicht eine Garmin Fenix am Handgelenk. Eine fantastische Uhr, keine Frage. Und ja: Ich weiß, dass eine Garmin teilweise zwei Wochen durchhält, während meine Apple Watch Ultra nach ein paar Tagen wieder Strom sehen möchte.

Aber genau darum geht es mir nicht.

Seit diesem Jahr hat sich mein Leben ziemlich grundlegend verändert. Nach der Amputation meines rechten Unterschenkels sitze ich derzeit überwiegend im Rollstuhl. Dazu kommen Diabetes und einige andere gesundheitliche Baustellen. Dinge, über die man früher kaum nachgedacht hat, bekommen plötzlich eine ganz andere Bedeutung.

Und damit hat sich auch die Bedeutung meiner Apple Watch verändert.

Früher war sie ein schönes Stück Technik. Heute ist sie für mich ein kleiner Begleiter am Handgelenk, der mir im Alltag ein Stück Sicherheit und Selbstständigkeit gibt. incoming-953DB2C3-1E8B-4F2A-9F6E-F5B1D48730DB

Gesundheit ist für mich keine Statistik mehr

Herzfrequenz, Ruhepuls, Blutsauerstoff, Schlaf, Vitalzeichen früher waren das interessante Daten. Heute schaue ich anders darauf.

Nicht panisch und auch nicht ständig. Aber ich möchte wissen, was mein Körper macht.

Besonders wichtig ist für mich mein Blutzucker. Durch Dexcom kann ich meinen aktuellen Glukosewert direkt auf dem Zifferblatt sehen. Ich muss nicht erst das iPhone suchen, keine App öffnen und mich durch irgendwelche Menüs klicken.

Ein Blick aufs Handgelenk genügt.

Für jemanden, der Diabetes hat und gleichzeitig in seiner Mobilität eingeschränkt ist, ist das keine technische Spielerei. Es ist schlicht praktisch.

Gerade im Rollstuhl lernt man Bequemlichkeit neu zu schätzen

Wer jederzeit einfach aufstehen und zum Smartphone laufen kann, denkt über manche Dinge nicht nach.

Ich inzwischen schon.

Das iPhone liegt auf dem Tisch, klingelt irgendwo in der Wohnung oder befindet sich gerade nicht in Reichweite? Die Watch ist da. Nachrichten ansehen, Anrufe erkennen, einen Timer stellen, Siri etwas fragen oder schnell eine Information abrufen, vieles erledige ich direkt am Handgelenk.

Kleine Dinge.

Aber wenn die eigene Mobilität eingeschränkt ist, können genau diese kleinen Dinge einen erstaunlich großen Unterschied machen.

Und dann ist da das Thema Sicherheit

Eine Uhr kann keinen Arzt ersetzen. Sie stellt keine Diagnosen und sie verhindert auch keine Krankheiten.

Das erwarte ich von ihr überhaupt nicht.

Aber Funktionen wie Sturzerkennung, Notrufmöglichkeiten und die Überwachung bestimmter Gesundheitswerte geben mir ein zusätzliches Sicherheitsgefühl. Gerade jetzt, wo ich mit Prothese und Rehabilitation wieder mehr Mobilität zurückgewinnen möchte, finde ich das beruhigend.

Ich möchte wieder auf die Beine kommen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Dabei darf Technik mich gerne unterstützen.

Die beste Uhr ist die, die in mein Leben passt

Deshalb finde ich die ewigen Diskussionen „Garmin oder Apple Watch?“ ziemlich überflüssig.

Eine Garmin Fenix kann für einen ambitionierten Sportler die bessere Uhr sein. Für jemanden, der tagelang oder wochenlang unterwegs ist, können Akkulaufzeit, Navigation und Trainingsfunktionen entscheidend sein.

Bei mir sind die Prioritäten andere.

Ich lebe ohnehin ziemlich tief im Apple-Universum. iPhone, iPad, Mac und Apple Watch arbeiten miteinander, ohne dass ich groß darüber nachdenken muss. Meine Gesundheitsdaten landen an einem Ort. Dexcom ist am Handgelenk. Nachrichten, Termine und andere Informationen sind dort, wo ich sie brauche.

Diese Integration ist für mich wichtiger als die Frage, ob eine andere Uhr 10, 14 oder 20 Tage ohne Ladegerät auskommt.

Dann lade ich meine Apple Watch eben regelmäßig.

Damit kann ich hervorragend leben.

Früher Gadget, heute Alltagshelfer

Vielleicht ist das der größte Unterschied.

Früher hätte ich mich bei einer neuen Apple Watch gefragt: Was kann die Neue, was meine Alte nicht kann?

Heute stelle ich eine andere Frage:

Was davon hilft mir tatsächlich in meinem Alltag?

Und erstaunlich viele Antworten darauf finde ich inzwischen an meinem Handgelenk.

Meine Apple Watch macht mich nicht gesünder. Sie macht aus mir auch keinen Sportler. Und natürlich löst sie keines meiner gesundheitlichen Probleme.

Aber sie hilft mir, meinen Körper besser im Blick zu behalten. Sie gibt mir ein Stück Sicherheit. Sie erspart mir im Rollstuhl unnötige Handgriffe. Und sie unterstützt mich dabei, möglichst viel selbstständig zu erledigen.

Vielleicht ist genau das der Punkt, den technische Datenblätter nicht vermitteln können.

Manchmal merkt man erst dann, wie wertvoll ein Stück Technik sein kann, wenn sich das eigene Leben verändert.

Meine Apple Watch war einmal ein Gadget, das ich gerne hatte.

Heute möchte ich auf sie nicht mehr verzichten.