Warum ich WordPress verlassen habe und nichts vermisse
Über einen kritischen PHP-Patchday, die Freude am Schreiben und die Erkenntnis, dass weniger manchmal tatsächlich mehr ist.
Gestern, am 21. Oktober 2026, war großer PHP-Patchday. Und zwar einer von der unangenehmen Sorte.
Gleich zwei kritische Sicherheitslücken mussten geschlossen werden. Beide mit einem CVSS-Wert von 9,2 bewertet, beide potenziell geeignet, Angreifern die Ausführung von Schadcode auf fremden Servern zu ermöglichen. Die PHP-Entwickler veröffentlichten Sicherheitsupdates für gleich vier Versionszweige und empfahlen dringend, diese unverzüglich einzuspielen.
Während vermutlich unzählige Administratoren, Hoster und Websitebetreiber ihre Systeme überprüften, saß ich vor meinem MacBook und dachte mir: Gut, dass ich mich darum nicht mehr kümmern muss.
Nicht, weil mir Sicherheit egal wäre. Ganz im Gegenteil. Sondern weil ich irgendwann beschlossen habe, dass ich lieber schreiben möchte, als meine Blogging-Software zu administrieren.
Früher war alles WordPress
Ich habe früher meine Blogs selbst mit WordPress betrieben. Nicht auf einem eigenen Server, den Betrieb der Hardware und die eigentliche Hosting-Infrastruktur überließ ich einem Anbieter. Aber WordPress installieren, konfigurieren, Themes auswählen und Plugins verwalten, das gehörte alles dazu.
Und anfangs machte das sogar Spaß.
WordPress war schließlich eine faszinierende Spielwiese. Für praktisch jeden Wunsch gab es ein Plugin. Für jede gestalterische Vorstellung ein Theme. Und wenn etwas nicht so funktionierte, wie man es gerne gehabt hätte, konnte man mit etwas Geduld meistens eine Lösung finden.
Nur hatte diese Freiheit ihren Preis.
Ein Plugin wollte aktualisiert werden. Ein anderes vertrug sich plötzlich nicht mehr mit dem Theme. Dann erschien eine neue WordPress-Version, irgendwo gab es eine Sicherheitswarnung und zwischendurch musste man sich auch noch um Backups kümmern.
Natürlich war das alles beherrschbar. Aber irgendwann stellte ich mir eine ziemlich einfache Frage:
Wollte ich eigentlich einen Blog betreiben oder eine Website verwalten?
Die Antwort fiel mir zunehmend leichter.
Wenn das Werkzeug wichtiger wird als der Inhalt
Ich habe ein Faible für schöne Software. Ich mag durchdachte Oberflächen, elegante Lösungen und Programme, bei denen man merkt, dass sich jemand Gedanken gemacht hat.
Aber ich habe wenig Freude daran, ständig irgendwelche technischen Probleme lösen zu müssen, die mit meiner eigentlichen Tätigkeit nichts zu tun haben.
Bei WordPress hatte ich irgendwann das Gefühl, mehr Zeit mit dem Drumherum zu verbringen als mit dem Schreiben selbst.
Natürlich übertreibe ich ein wenig. WordPress ist eine hervorragende Software, die Millionen von Websites antreibt. Für Onlineshops, Unternehmensseiten, umfangreiche Magazine und komplexe Projekte ist das System nach wie vor eine ausgezeichnete Wahl.
Aber brauche ich für einen persönlichen Blog wirklich ein derart mächtiges System?
Ich jedenfalls nicht.
Zwei kleine Entdeckungen
Irgendwann entdeckte ich Write.as und später Bear Blog.
Zwei Plattformen, die auf den ersten Blick beinahe unscheinbar wirken. Keine gigantischen Administrationsoberflächen, keine unüberschaubaren Plugin-Verzeichnisse und keine ständigen Aufforderungen, noch irgendeine zusätzliche Funktion zu aktivieren.
Stattdessen: ein Editor, ein Text und die Möglichkeit, diesen zu veröffentlichen.
Write.as basiert auf einer in Go geschriebenen Blogging-Software namens WriteFreely. Bear Blog setzt auf Python und Django. Beide verfolgen unterschiedliche technische Ansätze, haben aber eine gemeinsame Philosophie: Das Schreiben soll im Mittelpunkt stehen.
Heute nutze ich beide.
Balus Cave läuft öffentlich auf Bear Blog. Dort schreibe ich über Unternehmertum, Technik, Apple, Apps und alles, was mich sonst beschäftigt. Das Erscheinungsbild habe ich mit eigenem CSS angepasst: dunkler Hintergrund, helle Schrift und orangefarbene Akzente.
Mein zweiter, privater Blog liegt bei Write.as.
Und das Erstaunliche daran?
Ich vermisse WordPress nicht. Überhaupt nicht.
Was ist mit all den Funktionen?
Natürlich könnte ich jetzt eine lange Liste dessen aufstellen, was WordPress alles kann und was meine beiden Plattformen nicht bieten.
Ich könnte über Plugins, Themes, Medienbibliotheken, umfangreiche Statistiken und unzählige Erweiterungsmöglichkeiten schreiben.
Aber wozu?
Ich habe in der Praxis festgestellt, dass ich diese Dinge schlicht nicht brauche.
Ich möchte einen Text verfassen, vielleicht ein Bild einfügen, eine Überschrift setzen und anschließend auf Veröffentlichen klicken.
Wenn ich das Erscheinungsbild meines Blogs verändern möchte, kann ich bei Bear Blog mit CSS experimentieren. Und wenn ich einfach nur schreiben möchte, öffne ich den Editor.
Mehr muss es für mich nicht sein.
Das ist übrigens keine Kapitulation vor der Technik. Ich beschäftige mich nach wie vor ausgesprochen gerne mit Software, probiere neue Anwendungen aus und experimentiere mit meinem digitalen Alltag.
Nur möchte ich selbst entscheiden, womit ich meine Zeit verbringe.
Der PHP-Patchday als Erinnerung
Zurück zum gestrigen Mittwoch.
Die beiden kritischen PHP-Sicherheitslücken zeigen eindrucksvoll, wie wichtig die Pflege einer Softwareplattform ist. PHP ist schließlich keine exotische Randerscheinung, sondern eine der tragenden Säulen des Webs.
Auch WordPress basiert auf PHP und ist deshalb auf eine sichere, aktuell gehaltene PHP-Umgebung angewiesen.
Dabei wäre es falsch, PHP oder WordPress grundsätzlich als unsicher zu bezeichnen. Sicherheitslücken können in jeder Programmiersprache und jeder Software auftreten. Auch Go und Python sind davor nicht gefeit.
Der entscheidende Unterschied liegt für mich woanders.
Bei meinen heutigen Blogging-Plattformen liegt die Verantwortung für den Betrieb und die Aktualisierung der zugrunde liegenden Systeme beim jeweiligen Anbieter.
Natürlich bedeutet das nicht, dass ich mich um nichts mehr kümmern sollte. Meine Texte möchte ich weiterhin sichern, und auch einem Plattformbetreiber muss ich vertrauen können.
Aber ich muss nicht mehr selbst überlegen, ob ein PHP-Update mit meiner WordPress-Installation harmoniert oder ob nach dem nächsten Plugin-Update irgendetwas nicht mehr funktioniert.
Und das empfinde ich als ausgesprochen angenehm.
Weniger Software, mehr Blog
Es ist schon ein wenig paradox.
Ich liebe Technik. Ich schreibe über Apps, entdecke ständig neue Programme und kann mich stundenlang mit kleinen Details einer Benutzeroberfläche beschäftigen.
Gleichzeitig habe ich ausgerechnet beim Bloggen gelernt, dass weniger Technik manchmal die bessere Technik ist.
Vielleicht liegt darin sogar die eigentliche Qualität guter Software: Sie ermöglicht mir, das zu tun, was ich tun möchte, ohne sich selbst ständig in den Vordergrund zu drängen.
WordPress hat mich viele Jahre begleitet. Ich bereue diese Zeit nicht und würde auch niemandem grundsätzlich davon abraten.
Aber meine Ansprüche haben sich verändert.
Ich brauche keine hundert Möglichkeiten mehr, einen Blog zu gestalten. Ich brauche eine Möglichkeit, meine Gedanken zu veröffentlichen.
Und die habe ich gefunden.
Gestern war PHP-Patchday. Heute schreibe ich einfach einen Blogartikel.
Genau so soll es sein.